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  • 23. März 2015

    Public Program | Aspen Brown Bag Lunch: „Russlands Außenpolitik und sein Blick auf die neue europäische (Un)ordnung”


    Am 23. März 2015 war Fyodor Lukyanov, Chefredakteur der Zeitschrift Russia in Global Affairs und Vorsitzender des Präsidiums des Council on Foreign and Defense Policy, Gast des Brown Bag Luncheon zum Thema „Russlands Außenpolitik und sein Blick auf die neue politische (Un)Ordnung.“ Insgesamt wurden drei große Themenbereiche angesprochen: Der derzeitige militärische Konflikt Russlands mit der Ukraine und daraus resultierende Implikationen zu Russlands Stellung in der Welt, die Rolle Putins sowie Russlands Wirtschaft. Katrin Eigendorf, Reporterin des ZDF und ehemalige Moskau-Korrespondentin von RTL, interviewte Lukyanov zum derzeitigen Konflikt.
    Die meisten Fragen drehten sich um die Frage: Befindet sich Russland im Krieg mit der Ukraine? Das sei wohl so, jedoch sei der Krieg niemals erklärt worden. Darüber hinaus habe die Ukraine seit ihrer Unabhängigkeit keine eigene Identität entwickelt und auch Russland sehe die Ukraine nicht als ein fremdes Land an. Kiew werde gerne als die Wiege Russlands gesehen. Die Rolle Putins wurde im gesamten Gespräch stark hervorgehoben. So habe Putin keine umfassende Strategie in seinem Vorgehen, eher eine Vision. Die Einnahme der Krim sei ein bedeutender Schritt gewesen eine Weltordnung herauszufordern, die ohne Russland in dieser Form aufgebaut worden sei. Umgekehrt mache sich im Falle der baltischen Staaten eine gewisse Hysterie breit. Die Einwohner des Baltikums trauen der NATO nicht, dass diese im Falle eines Angriffes ihre Paktstaaten unterstützen würde. Laut Lukyanov würde Russland genau dieses – eine Auseinandersetzung mit der NATO – nie riskieren. Auch Georgien läge überhaupt nicht im Fokus Russlands. Jedoch sei Putin die Militarisierung Russlands auch deshalb so wichtig, weil die NATO sich von 1999 bis 2015 quasi verdoppelt habe.
    Ein weiterer wichtiger Punkt war die Wirtschaft Russlands: Putins Meinung nach sei es ein Fehler gewesen, die Sowjet Union zu öffnen, ohne dass ein Wandel innerhalb (auch) der wirtschaftlichen Strukturen stattgefunden hatte. Es werde Putin nachgesagt, dass er den alten Status Quo gerne wieder herstellen, den notwendigen Wandel vollziehen und danach eine Öffnung herbeiführen würde. Laut Lukyanov hätten Europa und die USA versucht, Russlands militärisches Vorgehen durch Sanktionen zu bestrafen. Bewirkt hätten diese nichts. Nun sei es notwendig, wieder einen Konsens zu finden.
    Abschließend wurde festgestellt, dass Putin bereits sehr isoliert sei. Er habe zwar Vertraute, doch auch sie wüssten nie im Vorfeld, wie Putin letztlich entscheide. Sollte Putin einmal nicht mehr sein, entstünde zunächst ein großes Vakuum. Vielleicht werde er für eine Nachfolge sorgen, jedoch scheine er heute noch nicht daran zu denken

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