Event

  • 22. Juni 2015

    Public Program | Sommerfest des Vereins der Freunde und des Aspen Institute Deutschland 2015: „Export über alles? Chancen und Risiken der Globalisierung für Deutschland“

    Beim diesjährigen Sommerfest am 22. Juni sprach Rüdiger Lentz mit Dr. Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Deutscher Industrie (BDI), über Chancen und Risiken der Globalisierung für Deutschland.
    Kerber bezeichnete Deutschland als ein janusköpfiges Land. Es verfüge kaum über nennenswerte Rohstoffe, ein vergleichsweise kleines Territorium sowie eine Bevölkerung von nur einem Prozent der Weltbevölkerung, erwirtschafte damit aber annährend fünf Prozent des Weltsozialprodukts. Nach China sei es zweitgrößte Exportnation und Spitzenreiter in vielen Branchen. Damit habe das einwohnerreichste EU-Land eine extraordinäre Stellung inne, so Kerber, insbesondere da der deutsche Wohlstand nun schon seit Dekaden auf der Einbindung des Landes und seiner Wirtschaft in das offene System der Globalisierung beruhe. Daher verwundere der ungebrochene Wunsch der Deutschen nach Sonderwegen und der steigenden Ablehnung von Globalisierung und Freihandel umso mehr.
    Gleichzeitig gebe es in der internationalen Staatengemeinde den Wunsch, dass Deutschland global eine größere Rolle spielen solle. Mehrere Länder würden sich beispielsweise beim Klimaschutz mittlerweile darauf verlassen, dass Deutschland voranschreite. Da die USA seit einigen Jahren versuchen, etwas zurückhaltender und kostensparender auf der Weltbühne aktiv zu sein, falle anderen Staaten automatisch mehr Verantwortung zu, so Kerber. Damit einher gingen aber auch die „costs of leadership“, die Deutschland nun zwangsläufig schultern müsse. Deutschland produziere mehr als es verbrauche, daher sei es auf Freihandel und Globalisierung für seine wirtschaftliche Überlebensfähigkeit angewiesen. Deutschland sei entsprechend einer der größten Gewinner der Globalisierung, deshalb sei nun ein „pay back“ unausweichlich: fiskalisch wie gestalterisch, militärisch wie zivil werde Deutschland eine Führungsrolle übernehmen müssen, prophezeite Kerber.

Zurück