- 03. November 2026
- 09:00
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- 03. November 2026
- 10:30

Hollywood liebt Geschichten von David gegen Goliath: Einzelne treten gegen mächtige Konzerne an, kämpfen für ihr Recht – und am Ende setzt sich die Gerechtigkeit durch. Die Wirklichkeit ist komplizierter.
Wer soll die Kosten tragen, wenn komplexe Ansprüche vor Gericht gebracht werden? Wie lässt sich sicherstellen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Rechte auch gegenüber großen Marktakteuren wirksam durchsetzen können? Und wo entstehen durch einen leichteren Zugang zum Recht zugleich neue Risiken – für Unternehmen, für Innovation und für die Wettbewerbsfähigkeit Europas?
Europas Zivil- und Haftungsrecht steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Neue Regeln zur Produkthaftung, die wachsende Bedeutung kollektiver Rechtsdurchsetzung und ein expandierender Markt für Prozessfinanzierung verändern, wie Ansprüche geltend gemacht, finanziert und vor Gericht verhandelt werden.
Damit rückt eine grundsätzliche Frage in den Mittelpunkt: Wie lassen sich ein wirksamer Verbraucherschutz und ein effektiver Zugang zum Recht mit Rechtssicherheit, Verhältnismäßigkeit, Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit verbinden?
Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Je komplexer Produkte und Technologien werden, desto schwieriger kann es für Geschädigte sein, Verantwortlichkeiten nachzuweisen. Sammel- und Verbandsklagen können den Zugang zum Recht verbessern, zugleich aber die Haftungs- und Prozessrisiken für Unternehmen verändern. Prozessfinanzierer wiederum können Verfahren ermöglichen, die sonst kaum geführt würden – werfen aber Fragen nach Transparenz, Anreizen und Kontrolle auf.
Mit der Umsetzung der reformierten europäischen Produkthaftungsrichtlinie und den ersten Erfahrungen mit den neuen Instrumenten kollektiver Rechtsdurchsetzung werden diese Zielkonflikte zunehmend konkret. Die Weichenstellungen von heute reichen dabei weit über einzelne Gerichtsverfahren hinaus. Sie beeinflussen Investitionsentscheidungen, Versicherungsmärkte und Innovationsanreize – und damit auch die Attraktivität Europas als Wirtschaftsstandort.
Vor diesem Hintergrund bringt das Aspen Institute Germany Vertreter*innen aus Politik, Recht, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu einem Roundtable zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Europa einen Rahmen schaffen kann, der Zugang zum Recht ermöglicht, ohne Haftung unkalkulierbar werden zu lassen.
Die Diskussion konzentriert sich auf drei eng miteinander verbundene Themen:
Produkthaftung: Wie verändern die neuen europäischen Regeln die Verteilung von Risiken und Beweislasten zwischen Verbraucher*innen und Unternehmen?
Kollektiver Rechtsschutz: Wie können berechtigte Ansprüche wirksam gebündelt werden, ohne Fehlanreize oder unverhältnismäßige Prozessrisiken zu schaffen?
Prozessfinanzierung: Welche Rolle sollen externe Prozessfinanzierer zukünftig im europäischen Rechtssystem spielen – und wo braucht es mehr Transparenz, Aufsicht oder gemeinsame Standards?
Eine besondere Rolle kommt dabei Deutschland zu. Welche Erfahrungen lassen sich aus der bisherigen Praxis kollektiver Rechtsdurchsetzung ziehen? Wo zeigen sich Lücken oder neue Zielkonflikte? Und welche Impulse kann Deutschland für die weitere europäische Debatte über Produkthaftung, kollektiven Rechtsschutz und Prozessfinanzierung setzen?
Der Roundtable richtet den Blick deshalb über einzelne Rechtsinstrumente hinaus auf eine übergeordnete Frage: Wie muss ein europäisches Haftungs- und Rechtsschutzsystem aussehen, das fair und wirksam ist – und zugleich verlässlich, innovationsfreundlich und wettbewerbsfähig bleibt?



