- 19. Mai 2026
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- 19. Mai 2026

Die Sicherheitsarchitektur Europas befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Digitale Technologien sind längst nicht mehr nur Instrumente wirtschaftlicher Entwicklung – sie sind zu zentralen Bestandteilen nationaler Sicherheit geworden. Kritische Infrastrukturen, staatliche Verwaltung, wirtschaftliche Wertschöpfung und militärische Fähigkeiten sind heute eng mit digitalen Netzwerken und cloudbasierten Systemen verflochten. Gleichzeitig nehmen Cyberangriffe auf zentrale Infrastrukturen in Europa an Intensität und Komplexität zu und legen Verwundbarkeiten in jenen Systemen offen, auf denen sowohl staatliche Handlungsfähigkeit als auch wirtschaftliche Stabilität beruhen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Resilienz zunehmend an Bedeutung. Gemeint ist damit nicht nur die Fähigkeit, Cyberangriffe abzuwehren, sondern auch die Fähigkeit von Staaten und Gesellschaften, ihre zentralen Funktionen auch unter Krisenbedingungen aufrechtzuerhalten. Digitale Infrastruktur spielt dabei eine Schlüsselrolle. Insbesondere Cloud-Infrastrukturen entwickeln sich zu einer strategischen Grundlage moderner Sicherheitspolitik: Sie ermöglichen die Aufrechterhaltung zentraler Dienste im Krisenfall, unterstützen die Erkennung und Abwehr von Cyberbedrohungen und bilden zunehmend die technologische Basis moderner Verteidigungsfähigkeiten sowie der Zusammenarbeit zwischen Verbündeten.
Die Herausforderung
Trotz eines wachsenden politischen Bewusstseins für diese Zusammenhänge bleibt Europas Resilienzarchitektur bislang fragmentiert. Strategien zur Cybersicherheit, Initiativen zur Modernisierung der Verteidigung und Debatten über Cloud-Governance oder digitale Souveränität verlaufen häufig nebeneinander, anstatt in ein gemeinsames operatives Konzept eingebettet zu sein. Gleichzeitig bestehen weiterhin strukturelle Defizite in der Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen, Verteidigungsakteuren und Technologieunternehmen.
Öffentliche Institutionen sind zunehmend auf Technologien aus dem privaten Sektor angewiesen, um kritische Systeme zu betreiben und zu schützen. Gleichzeitig bleiben Beschaffungsprozesse oft langwierig, Governance-Strukturen für transnationale digitale Infrastrukturen unzureichend abgestimmt, und Mechanismen für eine koordinierte Krisenreaktion sind nur begrenzt entwickelt. In einer Lage, in der Cyberbedrohungen, militärische Operationen und digitale Abhängigkeiten immer stärker ineinandergreifen, können diese Defizite Europas Fähigkeit zur schnellen und wirksamen Krisenbewältigung erheblich beeinträchtigen.
Politische Initiativen in Europa
Europäische Institutionen und die NATO haben begonnen, auf diese Herausforderungen zu reagieren. Initiativen wie der EU Cybersecurity Blueprint, die Debatten über europäische Cloud-Souveränität sowie die stärkere Berücksichtigung digitaler Infrastruktur in der NATO-Verteidigungsplanung verdeutlichen, dass technologische Fähigkeiten zunehmend als zentraler Bestandteil europäischer Sicherheits- und Resilienzstrategien verstanden werden.
Gleichwohl besteht weiterhin eine deutliche Lücke zwischen strategischen Zielsetzungen und ihrer operativen Umsetzung. Insbesondere bleibt offen, wie Regierungen, Verbündete und Technologieanbieter im Krisenfall praktisch zusammenarbeiten sollen – etwa bei Cyberangriffen auf kritische Infrastruktur oder bei der Sicherung digitaler Systeme, die für staatliche und militärische Funktionen unverzichtbar sind.
Ziel und Format
Die European Resilience Roundtable: Cyber, Defense & Cloud as Strategic Infrastructure bringt hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verteidigungsinstitutionen, Technologieunternehmen und Zivilgesellschaft zusammen, um zu diskutieren, wie Europas Resilienz an der Schnittstelle von Cyber, Verteidigung und digitaler Infrastruktur gestärkt werden kann.
Im Mittelpunkt stehen zwei zentrale Fragen: Erstens, wie sich Cyberresilienz, militärische Fähigkeiten und Cloud-Infrastruktur in ein kohärentes operatives Gesamtkonzept integrieren lassen. Zweitens, welche politischen und praktischen Konsequenzen sich daraus ergeben, Cloud-Infrastrukturen als strategische Infrastruktur für nationale Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität und die Interoperabilität zwischen Verbündeten zu begreifen.
Die Diskussionen sollen konkrete Ansätze für eine engere öffentlich-private Zusammenarbeit, verbesserte Mechanismen für gemeinsame Krisenreaktionen, Governance-Strukturen für schnelle und sichere Entscheidungsprozesse sowie Beschaffungsmodelle identifizieren, die Sicherheit, Souveränität und Innovationsfähigkeit miteinander verbinden.
Der Roundtable ist Teil einer europäischen Veranstaltungsreihe des Aspen Institute Germany in Zusammenarbeit mit dem Aspen Brussels Hub und Microsoft. Die Reihe findet in Madrid, Berlin, Warschau und Brüssel statt. Die Ergebnisse der einzelnen Veranstaltungen werden in länderspezifischen Berichten zusammengeführt und fließen in einen gemeinsamen European Resilience Report ein, der zentralen Entscheidungsträgern auf europäischer Ebene vorgestellt wird.


