- 22. Juni 2026
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- 23. Juni 2026

Kaum eine Region spiegelt die geopolitischen Umbrüche in Europa derzeit so deutlich wider wie der Westbalkan. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, zunehmende Einflussnahme autoritärer Akteure und Veränderungen in der transatlantischen Sicherheitsarchitektur stellen die Region vor neue Herausforderungen. Umso drängender ist die Frage, wie Stabilität und Resilienz gestärkt werden können – und welchen Beitrag die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten dazu leisten müssen.
Am 22. und 23. Juni 2026 brachte das Aspen Institute Deutschland seine jährliche High Level Arbeitsgruppe Westbalkan in Berlin zusammen. In einem geschlossenen Format tauschten sich rund 20 hochrangige Regierungsvertreter*innen aus den Ländern des Westbalkans, Vertreter*innen der EU, der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages sowie ausgewählte Expert*innen über aktuelle geopolitische Entwicklungen und den Stand des EU-Erweiterungsprozesses aus.
Im Rahmen der Arbeitsgruppensitzung fand zudem ein öffentliches Podiumsgespräch statt. Christoph Israng, Leiter der Europaabteilung im Auswärtigen Amt, diskutierte gemeinsam mit Regierungsvertreter*innen aus dem Westbalkan – Kreshnik Ahmeti, Josip Brkić, Megi Fino, Miroslav Gačević, Periša Kastratović und Ilber Sela – über Sicherheit, Stabilität und die europäische Perspektive der Region. Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Stormy-Annika Mildner, Direktorin des Aspen Institute Deutschland.
Diskutiert wurden drei zentrale Themen:
Strategische Bedeutung vs. schwindende Aufmerksamkeit: Der Westbalkan bleibt von strategischer Bedeutung, droht jedoch zunehmend aus dem Fokus der internationalen Gemeinschaft zu geraten. Russlands Krieg gegen die Ukraine, wachsender autoritärer Einfluss und konkurrierende globale Krisen haben die geopolitische Relevanz der Region zwar erhöht, gleichzeitig besteht die Gefahr, dass internationale Aufmerksamkeit und Ressourcen andernorts gebunden werden. Ein dauerhaftes Engagement der EU und ihrer Partner bleibt daher unerlässlich.
Hybride Bedrohungen und demokratische Resilienz: Hybride Bedrohungen stellen eine wachsende Herausforderung für die regionale Stabilität und die demokratische Widerstandsfähigkeit dar. Desinformationskampagnen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und politische Polarisierung untergraben zunehmend demokratische Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Region. Als zentrale Handlungsfelder kristallisierten sich die Stärkung von Resilienz, strategischer Kommunikation sowie regionaler Sicherheitskooperation heraus.
EU-Erweiterung an einem kritischen Wendepunkt: Die Glaubwürdigkeit der EU-Erweiterungspolitik steht auf dem Prüfstand. Die durch Russlands Invasion der Ukraine neu entfachte Erweiterungsdebatte wirft grundlegende Fragen nach Fairness, Verlässlichkeit und der Zukunft des Beitrittsprozesses auf. Zwar hat die geopolitische Lage den Druck erhöht, den Erweiterungsprozess voranzutreiben – der Westbalkan muss jedoch tiefgreifendere Reformen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung umsetzen. Gleichzeitig ist die EU gefordert, eine glaubwürdigere und kohärentere Beitrittsperspektive zu vermitteln.
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe fließen in die Vorbereitung der Westbalkan-Sicherheitskonferenz ein, die im Herbst 2026 stattfinden wird. Die Veranstaltung ist Teil des Projekts „SECURE – Stability, European Cooperation & Unity for Regional Engagement“, das mit Unterstützung des Auswärtigen Amts durchgeführt wird



