- 12. März 2026
- ; 09:00
- -
- 12. März 2026
- ; 10:30

Wie widerstandsfähig ist das deutsche Wirtschaftsmodell in einer Zeit geopolitischer Spannungen, fragiler Lieferketten und eines zunehmend intensiven globalen Wettbewerbs um technologische Führungspositionen?
Diese Frage stand im Mittelpunkt der Deep Dive Discussion „Zwischen Abhängigkeit und Resilienz: Economic Security als strategische Aufgabe“ des Aspen Institute Deutschland, organisiert in Partnerschaft mit dem Kiel Institut für Weltwirtschaft.
Eine zentrale Erkenntnis der Diskussion war, dass Wirtschaftssicherheit kein einheitliches Konzept ist, sondern sich entlang zweier miteinander verbundener Dimensionen bewegt.
Erstens: die Sicherheit der Wirtschaft selbst. Dabei geht es darum, die Resilienz wirtschaftlicher Systeme zu stärken – etwa durch den Abbau übermäßiger oder einseitiger Abhängigkeiten, die Diversifizierung von Lieferketten und die Fähigkeit von Volkswirtschaften, geopolitische Schocks wie Handelskonflikte, Sanktionen oder technologische Beschränkungen besser abzufedern.
Zweitens: Sicherheit durch die Wirtschaft. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass wirtschaftliche Stärke selbst zu einem strategischen Instrument der Außen- und Sicherheitspolitik geworden ist. In diesem Zusammenhang werden wirtschaftspolitische Instrumente – darunter Exportkontrollen, Investitionsprüfungen, industriepolitische Maßnahmen, Sanktionen und regulatorische Gestaltungsmacht – immer häufiger eingesetzt, um geopolitische Entwicklungen zu beeinflussen und nationale Interessen zu schützen.
Vor diesem Hintergrund bewertete das Panel auch die aktuelle Resilienz der deutschen Wirtschaft. Das Gesamtbild fiel eher ernüchternd aus. Entlang globaler Wertschöpfungsketten bestehen weiterhin zahlreiche Verwundbarkeiten – von Rohstoffen und Energieabhängigkeiten bis hin zu kritischen Technologien und industriellen Ökosystemen. In der Diskussion wurde deutlich, dass verzögertes Handeln oder politische Trägheit sowohl wirtschaftliche als auch strategische Kosten langfristig deutlich erhöhen könnten.
Gleichzeitig wurde betont, dass mehr wirtschaftliche Sicherheit nicht zwangsläufig weniger wirtschaftliche Offenheit bedeutet. Vielmehr braucht es einen differenzierteren Umgang mit Globalisierung – häufig beschrieben mit dem Ansatz des De-Risking statt Decoupling: kritische Abhängigkeiten reduzieren, ohne wirtschaftliche Verflechtungen vollständig aufzugeben.
Im Verlauf der Diskussion zeichnete sich in mehreren Punkten ein gemeinsames Verständnis ab:
• Weniger Bürokratie dort, wo Regulierung Innovation bremst und die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen einschränkt.
• Eine stärkere und strategischere Rolle des Staates beim Schutz sicherheitskritischer Infrastruktur und Technologien.
• Eine europäische Antwort auf Fragen wirtschaftlicher Sicherheit – auch weil viele der relevanten Instrumente und Hebel auf EU-Ebene liegen.
Insgesamt machte die Diskussion deutlich, dass sich ein grundlegender struktureller Wandel vollzieht: Wirtschaft und Sicherheit lassen sich nicht länger getrennt voneinander betrachten. In einer zunehmend geoökonomischen Welt werden Resilienz, Innovationsfähigkeit und technologische Führungsstärke zu zentralen Faktoren geopolitischen Einflusses.
An der Diskussion beteiligten sich Nora Habib-Sadek, Referatsleiterin „Geopolitische Analysen, internationale und europäische Wirtschaftssicherheit“, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; Prof. Dr. Julian Hinz, Direktor der Forschungsgruppe Handelspolitik, Kiel Institut für Weltwirtschaft & Professor für Internationale Wirtschaftslehre, Universität Bielefeld; Katharina Neckel, Referatsleiterin „Außenwirtschaftsrecht & Handelsvereinfachungen“, Deutsche Industrie- und Handelskammer; Anna Lena Schütte, Stellvertretende Leiterin des Berliner Public-Policy-Teams, Infineon Technologies AG.




