
Aufruf zur Teilnahme: U.S.-German Forum Future Agriculture Projekt Kohorte 2027
Die Landwirtschaft spielt weltweit eine wichtige Rolle für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Der Sektor steht aufgrund des globalen Bevölkerungswachstums, der Verschlechterung der Ökosysteme und des Verlusts der biologischen Vielfalt, der Energieunsicherheit und des Klimawandels vor großen Herausforderungen. Geopolitische Ereignisse haben die Lieferketten zusätzlich belastet und zu steigenden Investitionskosten, Preisvolatilität und globalen Handelskonflikten geführt. Darüber hinaus haben Landnutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Entwicklung, öffentliche Interessen am Tierwohl, und chronischer Arbeitskräftemangel die Schwierigkeiten der Landwirt*innen bei der Produktion sicherer und erschwinglicher Lebensmittel, die von der Gesellschaft nachgefragt werden, noch verschärft. Diese Faktoren haben den Druck auf landwirtschaftliche Betriebe und Landwirt*innen erhöht, da die Branche bereits Schwierigkeiten hat, jüngere Generationen zu rekrutieren, und da ein sich schnell verändernder Bereich neue Anforderungen an etablierte Fachkräfte stellt. Es ist unerlässlich, neue Wege zu finden, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Sowohl Deutschland als auch die Vereinigten Staaten spielen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung einer widerstandsfähigeren Zukunft für die Landwirtschaft. Beide Länder stehen vor ähnlichen Herausforderungen, und die Förderung eines tieferen Verständnisses für unterschiedliche landwirtschaftliche Praktiken und Standards ist unerlässlich, um gemeinsam eine Führungsrolle bei der Gestaltung der Zukunft der Landwirtschaft zu übernehmen. Das US-German Future Forum Agriculture unter der Leitung des Aspen Institute Germany in Zusammenarbeit mit dem Umsetzungspartner, der University of Illinois Urbana-Champaign, trägt diesem Bedarf Rechnung, indem es den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen deutschen und US-amerikanischen Landwirt*innen und wichtigen Akteuren aus Forschung und Wirtschaft fördert. Durch den Austausch von Erfahrungen, die Möglichkeit, vor Ort bewährte Verfahren zu besuchen, und den Aufbau neuer transatlantischer Netzwerke wird dieses Projekt innovative Ansätze für die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Gebiete fördern.
Fokus der Kohorte 2027
Wir nehmen bis zum 15. Oktober Bewerbungen von Landwirt*innen und anderen wichtigen Akteuren der Landwirtschaft mit Wohnsitz in den USA oder Deutschland entgegen, die sich für die Teilnahme an diesem einzigartigen transatlantischen Dialog im fünften Programmjahr 2027 bewerben möchten. Neben der grundlegenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bedeutung der Landwirtschaft für ländliche Regionen wird sich diese fünfte Kohorte insbesondere mit dem Kernthema Arbeitsmarkt im Obst- und Gemüseanbau beschäftigen.
Auf beiden Seiten des Atlantiks stellen Veränderungen auf den Arbeitsmärkten die Landwirtschaft vor erhebliche Herausforderungen. Der demografische Wandel, die Abwanderung aus ländlichen Regionen und der Wettbewerb mit anderen Wirtschaftszweigen erschweren es vielen Betrieben, ausreichend qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte zu gewinnen und langfristig zu halten. Gleichzeitig steht bei vielen landwirtschaftlichen Familienbetrieben ein Generationswechsel bevor. Hohe Einstiegskosten, körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten und teilweise attraktivere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten in anderen Sektoren können junge Menschen davon abhalten, eine berufliche Zukunft in der Landwirtschaft zu wählen.
Der Obst- und Gemüsebau ist von diesen Entwicklungen besonders betroffen. Viele Tätigkeiten – von der Pflanzung und Pflege bis zur Ernte, Sortierung und Verpackung – erfordern weiterhin einen hohen Anteil manueller und spezialisierter Arbeit. Zugleich führen die Saisonabhängigkeit und die begrenzte Haltbarkeit vieler Erzeugnisse zu kurzfristigen Spitzen beim Arbeitskräftebedarf. Die Vielfalt der angebauten Kulturen und Sorten stellt zudem unterschiedliche Anforderungen an Erfahrung und Qualifikation. Finden Betriebe während der entscheidenden Zeiträume nicht genügend Arbeitskräfte, können Ernten und damit auch die wirtschaftliche Zukunft der Betriebe gefährdet sein.
Eine besondere Rolle spielen Saisonarbeitskräfte und migrantische Beschäftigte. In Deutschland waren 2023 mehr als die Hälfte der familienfremden Arbeitskräfte in der Landwirtschaft saisonal beschäftigt. Auch in den USA sind Obst- und Gemüsebaubetriebe stark auf ausländische und saisonale Arbeitskräfte angewiesen. Änderungen der Einwanderungs- und Beschäftigungspolitik, steigende Arbeitskosten sowie rechtliche, administrative und sprachliche Hürden erschweren jedoch eine verlässliche Personalplanung. Damit verbunden ist die Frage, wie praxistaugliche Rahmenbedingungen für die Betriebe mit fairen, sicheren und attraktiven Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten verbunden werden können.
Gleichzeitig verändern Mechanisierung, Automatisierung und Digitalisierung die Arbeit in der Landwirtschaft. Neue Technologien können körperlich belastende Tätigkeiten erleichtern, Arbeitsabläufe effizienter gestalten und den Personalbedarf reduzieren. Im Obst- und Gemüsebau ist ihre Entwicklung und Anwendung jedoch besonders anspruchsvoll: Viele Kulturen sind empfindlich, Arbeitsprozesse unterscheiden sich je nach Produkt und die verfügbaren Lösungen sind nicht für jede Betriebsgröße wirtschaftlich einsetzbar. Zudem entstehen neue Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten. Aus- und Weiterbildungsangebote müssen deshalb sowohl technologische Entwicklungen berücksichtigen als auch die vielfältigen beruflichen Perspektiven im Obst- und Gemüsebau sichtbarer machen.
Deutschland und die USA stehen vor vergleichbaren Herausforderungen, verfolgen jedoch teilweise unterschiedliche Ansätze bei Saisonarbeit, Arbeitsmigration, beruflicher Bildung und technischer Innovation. Der transatlantische Austausch eröffnet die Möglichkeit, diese Ansätze miteinander zu vergleichen, voneinander zu lernen und gemeinsam konkrete Empfehlungen für einen zukunftsfähigen Arbeitsmarkt im Obst- und Gemüsebau zu entwickeln.
Der Schwerpunkt des Jahrgangs 2027 liegt daher auf folgenden Fragen:
- Wie kann der Obst- und Gemüsebau qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte gewinnen und langfristig halten?
- Wie können verlässliche Rahmenbedingungen für Saisonarbeit und Arbeitsmigration mit fairen und attraktiven Arbeitsbedingungen verbunden werden?
- Wie können Mechanisierung, Automatisierung und digitale Technologien die Beschäftigten unterstützen und Arbeitsabläufe effizienter gestalten?
- Welche Aus- und Weiterbildungsangebote werden benötigt, um Arbeitskräfte auf neue technische und betriebliche Anforderungen vorzubereiten?
- Wie können jüngere Generationen für eine berufliche Zukunft im Obst- und Gemüsebau begeistert und landwirtschaftliche Betriebe beim Generationswechsel unterstützt werden?
Programmübersicht und Vorteile der Teilnahme
Um diese Fragen zu untersuchen, bietet das Projekt den Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich mit internationalen Kolleg*innen und anderen führenden Persönlichkeiten aus diesem Bereich auszutauschen und den transatlantischen Dialog über Landwirtschaft im Rahmen von Präsenz- und Online-Veranstaltungen mitzugestalten, darunter:
- Etwa 10 bis 12 interaktive virtuelle Workshops zwischen Januar und Juni 2027 (insgesamt etwa 15 bis 20 Stunden)
- Zwei 3,5-tägige Präsenztreffen (ohne Reisezeit) in Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, vom 5.–9. April 2027, und Davis, California, USA, vom 18.–22. Mai 2027
- Zusammenarbeit an einer gemeinsamen Veröffentlichung von Empfehlungen, die im August/September 2027 erscheinen soll
- Eine virtuelle Abschlussveranstaltung im September 2027
Während des Programms lernen die Teilnehmende mehr über die landwirtschaftlichen Praktiken und Strategien in den jeweiligen Ländern, besuchen vor Ort Best Practices und innovative Lösungen und erkunden Möglichkeiten für eine transatlantische Zusammenarbeit. Von den Teilnehmenden wird erwartet, dass sie aktiv und kontinuierlich zur Entwicklung konkreter politischer Empfehlungen für die nationale und transatlantische Ebene beitragen, die veröffentlicht und in einer abschließenden Abschlussveranstaltung vorgestellt werden. Die Kosten für die Teilnahme (Reise, Unterkunft, Verpflegung) werden vom Projekt übernommen.
Teilnahmebedingungen
Bewerber*innen dieses Austauschprogramms müssen:
- Aktive Landwirte / Landwirtin sein und/oder in einem landwirtschaftlichen Unternehmen, in der Forschung usw. tätig sein
- Mindestens 3 Jahre Erfahrung im Bereich Landwirtschaft haben
- In der Lage sein, aktiv an allen Komponenten des virtuellen und persönlichen Austauschs teilzunehmen
- In der Lage sein, an der Entwicklung und Veröffentlichung von Empfehlungen in Form einer Publikation und einer Abschlussveranstaltung mitzuwirken
- Interesse am Arbeitsmarkt im Obst- und Gemüseanbau haben
- Über ausreichende Englischkenntnisse verfügen
- Bewerber müssen in Deutschland oder den Vereinigten Staaten leben und arbeiten
Bewerbungsprozess
Um sich zu bewerben, füllen Sie das hier verfügbare Bewerbungsformular bis zum 15. Oktober aus. Die Bewerbungen werden fortlaufend geprüft. https://forms.cloud.microsoft/e/udFMN1b4GM
Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich an Ferdinand Eimler wenden: eimler@aspeninstitute.de
Haftungsausschluss: Die Programminhalte und der Zeitplan können sich aufgrund von Änderungen der Reisebeschränkungen ändern.
Das Projekt wird vom Transatlantikprogramm der Bundesrepublik Deutschland unterstützt, das vom Europäischen Wiederaufbauprogramm (ERP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) finanziert wird.



