
Kohorte 2025/2026: Soziale Gerechtigkeit und Soziale Teilhabe
Soziale Gerechtigkeit und Teilhabe sind zentrale Bausteine einer nachhaltigen und zukunftsfähigen demokratischen Gesellschaft. Doch wachsende Einkommensungleichheit, mangelnde Integration, Diskriminierung und eine geringe soziale Mobilität bedrohen das Fundament offener und inklusiver Gesellschaften. Sie untergraben Vertrauen, befeuern gesellschaftliche Spaltung und gefährden die demokratische Stabilität. Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, struktureller Ungleichheiten, des Zugangs zu Bildung, Gesundheit, Wohnraum und politischer Mitsprache sowie der umfassenden Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gehören zu den dringendsten Herausforderungen unserer Zeit.
In einer Welt, die sich in rasantem Tempo verändert, werden soziale Fragen zunehmend durch globale Krisen verschärft. Der Klimawandel, bewaffnete Konflikte, internationale Migrationsbewegungen sowie tiefgreifende Transformationsprozesse durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz fordern den gesellschaftlichen Zusammenhalt heraus. Gesellschaften sehen sich mit Ungleichheiten konfrontiert, die nicht nur das Selbstverständnis, sondern auch die Resilienz demokratischer Ordnungen auf die Probe stellen.
Digitalisierung kann dabei als Katalysator für mehr Gerechtigkeit wirken – etwa durch besseren Zugang zu Informationen, Bildung und öffentlichen Dienstleistungen. Gleichzeitig birgt sie das Risiko, bestehende Ungleichheiten weiter zu verschärfen: Der Verlust von Arbeitsplätzen durch Automatisierung, neue Formen der Diskriminierung im digitalen Raum und asymmetrische Machtverhältnisse im Umgang mit Daten werfen drängende Fragen auf. Der digitale Raum ist kein neutraler Ort: Wer Sichtbarkeit bekommt, wessen Stimme gehört wird, wie Entscheidungen getroffen werden – all das berührt die Grundfragen sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe im 21. Jahrhundert.
Die Frage, wie gesellschaftliche Vielfalt aktiv gestaltet, der Zugang zu Chancen gerechter verteilt und demokratische Beteiligung gestärkt werden kann, ist eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit. Städte spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie sind Orte des Wandels und der Begegnung – und zugleich Spiegel bestehender Ungleichheiten. Wie können Städte soziale Mobilität fördern? Welche Verantwortung tragen sie für Integration, Chancengleichheit und eine inklusive Gestaltung des digitalen Wandels? Und wie kann die Akzeptanz für Diversität in der Gesellschaft erhöht werden, so dass auch der Zusammenhalt des Unterschiedlichen gefördert wird?
Im zweiten Jahr des Future Cities Go Glocal Projekts unter dem Thema „The Just City“ kommen erneut 20 städtische Akteur*innen aus Berlin, Neu-Delhi, Nairobi und Mexiko-Stadt zusammen, die sich mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit und sozialen Teilhabe befassen.
Warum gerade diese Städte? Sie alle stehen vor sehr unterschiedlichen, aber auch vergleichbaren Herausforderungen. In Neu-Delhi und Nairobi verschärfen strukturelle Armut, eine hohe Bevölkerungsdichte sowie ein ungleicher Zugang zu Bildung und weiteren Ressourcen – insbesondere in informellen Siedlungen – die soziale Ungleichheit. In Mexiko–Stadt prägen extreme Einkommensunterschiede und Diskriminierung das Leben vieler Menschen, wobei insbesondere Frauen und indigene Gruppen auf dem Arbeitsmarkt und im Alltag betroffen sind. In Berlin sind starke Mietsteigerungen, ein Mangel an sozialem Wohnungsbau und eine starke räumliche Konzentration sozialer Benachteiligung in einzelnen Stadtteilen zentrale Probleme.
Durch den Austausch zwischen diesen Städten können neue Impulse für mehr Gerechtigkeit, Teilhabe und Resilienz entstehen. Ziel ist es, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die urbane Gesellschaften gerechter und inklusiver gestalten.
Das Aspen Institute Deutschland freut sich auf die Teilnehmenden des zweiten Jahrgangs:
Berlin
- Anne Kjaer Bathel (CEO & Founder ReDi School of Digital Integration),
- Diana Botescu (Head of the Unit Migration and Refugee Policies, Berlin Commissioners Office for Integration and Migration)
- Prof. Dr. Florian Koch (Professor of Real Estate Management, Urban Development and Smart Cities, HTW Berlin (Berlin University of Applied Sciences)
- Ulrike Milda Johanna Gerber (Regional Program Director, Caritas Berlin)
- Dr. Henrik Scheller (Team Lead, Research Division Infrastructure, Economy, and Finance, German Institute for Urban Studies)
Mexiko-Stadt
- Eugenio Salas Iturriaga (Mexico City Hub Leader: Young AI Leaders Community, Founder Alexandr.ia)
- Jonás Vázquez Betancourt (Founder of Comunica la Ciudad),
- Salomon Chertorivski Woldenberg (President of the National Consultative Council of Movimiento Ciudadano)
- Dr. Sofía Salas Ungar (Independent Senior Consultant in Social Impact and Regeneration)
- Valeria Moy Campos (General Director, Mexican Institute for Competitiveness (IMCO))
Nairobi
- George Wasonga (Chief Executive Officer at the Civil Society Urban Development Platform (CSUDP))
- Godfrey Ochelle (Director Public Participation / Civic Education Department at Nairobi City County Government)
- Jeffrey Okoro (Chief Executive Officer, CFK Africa)
- Judith Owigar (Smart and Electric Mobility Consultant at UN-Habitat CoFounder AkiraChix, AcumenFellow)
- Mildred Omino (Disability Justice Activist, Feminist and Governance Professional, Founder, Equity Voice, Disability Liaison Officer, University of Nairobi in Kenya)
New Delhi
- Himani Chouhan (Manager, Citizen Engagement at Young Leaders for Active Citizenship (YLAC))
- Nikita Mandhani (Journalist, Documentary Filmmaker and Digital Strategist)
- Dr. Nitya Nanda (Director, Council for Social Development)
- Dr. Rakesh Ranjan (South Asia Regional Coordinator for the Institute for Human Rights and Business)
- Sonali Vyas (Architect and Urban Planner, Director at Safetipin)
Projektreise der 2025/2026 Future Cities Go Glocal Kohorte nach Berlin
Vom 24. bis 28. Februar 2026 kam die zweite Kohorte des Future Cities Go Glocal Projekts des Aspen Institute Deutschland in Berlin zusammen. 20 urbane Akteur*innen aus Berlin, Neu-Delhi, Nairobi und Mexiko-Stadt tauschten sich über soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Stadtentwicklung aus.
Die Woche begann mit einem Empfang in der Senatskanzlei Berlin und einem ersten Austausch über urbane Herausforderungen und Chancen. Weitere Programmpunkte führten die Kohorte in das Abgeordnetenhaus von Berlin, wo über Governance, Integration und Gleichberechtigung diskutiert wurde. Im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages sprachen die Teilnehmenden mit dem Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunalpolitik über bezahlbaren Wohnraum, soziale Teilhabe und die Chancen der Digitalisierung.
Praktische Einblicke bot der Besuch bei Housing First Berlin: Hier stand die Frage im Mittelpunkt, wie Städte Menschen ohne Wohnung nachhaltigen Zugang zu Wohnraum und individueller Unterstützung ermöglichen können. Beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) lernte die Kohorte, wie inklusive Mobilität in der Praxis umgesetzt wird. Weitere Impulse kamen von La Red Berlin, CityLAB Berlin und sozialen Initiativen wie Kreuzberger Himmel, die Integrations- und Beteiligungsprozesse in der Stadt vorantreiben. In interdisziplinären Arbeitsgruppen entwickelten die Teilnehmenden Empfehlungen für gerechtere, inklusivere und resilientere Städte, die im weiteren Projektverlauf vertieft werden.
Die Reise zeigte: Städte sind Orte, an denen soziale Gerechtigkeit konkret gestaltet wird. Der Austausch zwischen vier internationalen Metropolen eröffnete neue Perspektiven, gemeinsame Lernchancen und Inspirationen, um urbane Gesellschaften nachhaltiger und inklusiver zu gestalten.




